|
Die
Jugendprojektwerkstätten für ein gewaltfreies Miteinander sind ein Kooperationsprojekt
der Initiative N.O. – für ein gewaltfreies Miteinander (Neustadt/O.) und der
Initiative für ein gewaltfreies Triptis, in Zusammenarbeit mit der Neuen Arbeit
Neustadt e.V.; unterstützt durch das Bundesprogramm CIVITAS.
Die
Projektwerkstätten wenden sich vornehmlich an Jugendliche und junge Erwachsene
im Alter von ca. 14 – 27 Jahren.
Sie
greifen vorhandene Problemlagen, Interessen oder Aktivitäten auf. Sie
versuchen, die Lücken im Angebot für Rat, Hilfe und Organisierung zu schließen.
Verknüpft wird dies mit weitergehenden Informationen und Aktivitäten.
Arbeitsschwerpunkt
der Aktivitäten:
Rechtsextremismus bzw. Zivilgesellschaft
Das
übergreifende inhaltliche Ziel der Projektwerkstättenarbeit ist es, die persönliche
und gemeinsame, die inhaltliche und praktische Auseinandersetzung mit
Rechtsextremismus und Antisemitismus, Rassismus und Repression in Gang zu setzen
und damit individuelle und soziale Gegenhaltungen zu befördern und zu festigen.
Die
Projektwerkstättenarbeit wendet sich gegen die Verbreitung rechtsgerichteter
und/oder antidemokratische Ideologien und damit gegen rechtsradikale (z.B.
nationalistische), revisionistische (z.B. neo-nazistische und antijüdische),
rassistische (z.B. fremdenfeindliche) und hegemoniale (z.B. Andersdenkende
ausgrenzende) Einstellungen und Handlungen.
Unter
dem Motto: „Informieren, Argumentieren, zum Mitmachen bewegen“ werden
Aktivitäten von Jugendlichen für Jugendliche entwickelt und durchgeführt und
über diese Aktionen, Veranstaltungen und Projekte Positionierungen in die
lokale bzw. regionale Öffentlichkeit eingebracht.
Gegen
die vielfältig und keineswegs nur bei Jugendlichen vorzufindenden
rechtsgerichteten Ausdrucks- und Repräsentationsformen werden in der
Projektwerkstättenarbeit Grundwerte der demokratischen Meinungs- und
Willensbildung, der Toleranz und Liberalität gestellt.
Mit
der Arbeit werden Ansätze für ein solches gesellschaftliches Grundverständnis
immer wieder neu gesucht, diskutiert, versuchsweise umgesetzt und kontinuierlich
bestärkt.
Sie
stellt Fragen nach den Umständen, in denen wir und andere leben, nach dem, was
anders sein kann oder sein muss, um repressive Denk- und Handlungsstrukturen
eines Gegeneinander aufzulösen und versteht Demokratie als kritikoffenen
Prozess von Verständigungen über das Miteinander.
Gegen
ideologisierte Gewalt:
Informieren und argumentieren
Aus
den bisherigen Analysen, den Erfahrungen, Beobachtungen, Gesprächen und den
Vorfällen in der Region ist abzuleiten, dass es Abstufungen und
unterschiedliche Ausprägungen dessen gibt, was gemeinhin unter dem Begriff
Rechtsextremismus zusammengefasst wird. Personen, die fest in
Neonazi-Organisationen, Kameradschaften oder etwa „White-Power“-Verbünden
organisiert sind, stellen nur einen, insgesamt eher kleineren Teil dar. Häufiger
festzustellen sind Personen oder Gruppen, die Versatzstücke rechtsextremen
Gedankenguts für sich aufgreifen und zum Ausdruck bringen. Dies können
nationalistische oder rassistische Zeichen und Parolen, Selbstzuordnungen zu
rechtsorientierten Mode- oder Musikstilen und insbesondere ausgrenzende oder
hegemonial orientierte Gruppenstrukturen sein. Hierbei gibt es vielfältige
Querverbindungen zu rechtsorientierten oder rassistischen Stimmungen, Meinungen
und Weltbildern, die im allgemeinen Alltagsdenken und sozialen Umfeld weit
verbreitet sind.
Werden
die rechtsgerichteten Denkweisen in Verhalten sichtbar, wird der gewaltsame Kern
rechter Ideologien deutlich, den wir als ideologisierte Gewalt bezeichnen.
Pöbeleien,
Bedrohungen, Schlägereien, die von rechtsgerichteten Personen oder Gruppen
ausgehen, sind die Spitze des Eisbergs von Orientierungen, die grundsätzlich
gewaltsam und repressiv folglich immer konflikthaft sind.
In
der Vergangenheit zeigte sich, dass solche Vorfälle rechter Gewalt in der
Region zumeist bagatellisiert werden, dass Wegschauen und Nichtwissenwollen
vorherrschten.
Hierüber
zu informieren, über die Zeichen, Weltbilder, Organisationen des
Rechtsextremismus und Rassismus aufzuklären und gegen die vielen kleinen und
großen Versatzstücke rechtsorientiertem Alltagsdenkens zu argumentieren sind
Schritte, die in der Projektwerkstättenarbeit immer wieder gegangen werden, um
den Strom nach Rechts einzudämmen. Hierzu gehört, gleichzeitig Werte wie
Achtung und Toleranz oder eine demokratische Kultur zu vermitteln und Aktivitäten
anzuregen, einzubringen, durchzuführen.
Die
Projektwerkstättenarbeit versucht, gegenüber den rechtsgerichteten
Einstellungen und Handlungen vom Reagieren zum Agieren zu kommen.
Sie
bezieht klare Position gegen ideologisierte verbale oder körperliche Gewalt.
Sie
streben die Entwicklung von sozialen Handlungskompetenzen an. Über
exemplarisches Lernen wird Gewaltprävention für das Denken und Handeln wirksam
und indem die beteiligten Jugendlichen und Projektgruppen selbst wieder zu
Multiplikatoren in der Region werden, wird langfristig zur Minimierung von
Konflikt- und Gewaltpotentialen in den jeweiligen Lebensumfeldern beigetragen.
Für
Zivilcourage:
Zum Mitmachen bewegen und Selbstorganisation ermöglichen
Die
Projektwerkstätten stellen Möglichkeiten für ein aktives und praktisches
zivilgesellschaftliches Engagement bereit - für eine weltoffene, vielfältige
und kreative Kultur.
Sie führen
die bisherige Arbeit der Initiative N.O. – für ein gewaltfreies Miteinander
(Neustadt/O.) und der Initiative für ein gewaltfreies Triptis fort und ergänzen
sie.
Sie bauen auf
den bisherigen Erfahrungen der Jugendinitiativen auf und können in Schule und
Jugendarbeit sowie der (Jugend-) Öffentlichkeit einen Peer-to-peer-Ansatz
einbringen.
Mit
den Projektwerkstätten soll nicht nur die Möglichkeit geschaffen werden, sich
ganz praktisch gegen REX zu engagieren. Sondern es gibt die Chance, dabei eigene
Interessens- oder Ansatzpunkte einzubringen oder gemeinsam mit anderen zu
finden.
-
In
den Projektwerkstätten wird eine Abfolge von Aktivitäten (Projekten) mit
jeweils begrenzten Zeithorizonten durchgeführt, um immer wieder neu
Zugangs- und Mitmachmöglichkeiten zu schaffen (Interessenorientierung). Die
Arbeit erfolgt in Arbeitsgruppen (Projektteams), welche jeweils eine
bestimmte Aktion oder Veranstaltung, ein Problem oder Thema erarbeiten.
Jugendinitiativen
als Gegenkultur:
Wir für uns und euch
Die
Projektteams als Kernelement arbeiten nach dem Grundsatz von NO: „Informieren,
Argumentieren, zum Mitmachen bewegen“ auf öffentliche Positionierungen gegen
REX hin.
Aus
der Auffassung der beteiligten Jugendlichen, dass Informieren und Argumentieren
zwar unbedingt wichtig, aber nicht dynamisch genug ist, wird fortlaufend ein
Veranstaltungs- und Aktionsprogramms entwickelt, welches den Mitmachaspekt einer
Gegenkultur gegen Rechts in den Mittelpunkt stellt. Arbeitstitel ist:
„Bunte Welten statt Rassismus und Gewalt“. Die Jugendlichen sehen im Aufbau
einer kreativen Gegenkultur den besten weil produktivsten Ansatz, sich gegen
Rechtsextremismus zu positionieren und zum Mitmachen anzuregen.
- Als Forum für diese
Arbeit wird das wöchentliche Prowe-Info-Cafe in Neustadt/O. aufgebaut.
Neuere Pläne richten sich auf ein Info-Mobil und einen Standort im FZZ.
Kooperativer
Ansatz:
Arbeit an/mit Schulen und Jugendeinrichtungen
Schon in den
ersten Monaten der Projektwerkstättenarbeit ist deutlich geworden, daß die
spezifische inhaltlich-thematische Schwerpunktsetzung (REX/Gegenhaltungen) und
besondere Methodik (Ziviles Engagement/Selbstorganisation) Unterschiede bei
Zielsetzungen, Organisationsfragen und Umsetzungsschritten im Vergleich zur
allgemeinen Jugendarbeit mit sich bringt. Es sind immer wieder Abstimmungen und
fortlaufender Austausch notwendig. Um die Impulse und Effekte, die daraus
entstehen können, voranzubringen, hat es sich als gut erwiesen, Aktivitäten
und Projekte anzubieten, bei denen möglichst mehrere Einrichtungen miteinander
und mit den Projektgruppen kooperieren.
- Erprobte
Veranstaltungsformen an/mit Jugendeinrichtungen sind u.a.
- Aktionsnacht,
Jugendforum, Planspiel und Politico Sportivo.
Durch die
Anbindung der Projektwerkstättenarbeit Jugendeinrichtungen (siehe oben) und
besonders auch Schulen wird das jeweilige Umfeld miteinbezogen: Lehrerkollegium,
Mitschüler, Eltern, Jugendgruppen, Jugendarbeiter usw.
Kooperationspartner
sind u.a.: Freizeitzentrum Neustadt/O., Jugendtreff B 281 Triptis, Jugendcafe
Holy / ev. Jugend Pößneck, Bereichsjugendpflege Neustadt/O., VG Triptis,
Regelschulen Triptis und Neustadt/O., Orlatalgymnasium Neustadt/O., Musikclub
Trial e.V. Neustadt/O., Freizeitzentrum Pößneck, Kreisjugendring Nr. 16 e.V.
- Aktionen an und in
Schulen finden z.B. in Form von Diskussionsrunden, Vorträgen, Lesungen,
Workshops, Ausstellungen statt.
-
-
Regionale
Vernetzung und Unterstützung lokaler Initiativen
Teil der
Projektwerkstättenarbeit ist es auch, die Rahmenbedingungen für den
Arbeitschwerpunkt Rechtsextremismus/Zivilgesellschaft auszubauen. Dies schließt
Zusammenarbeit mit den Organisationen der Anti-Rex-Arbeit, mit Bildungsträgern
etc. sowie etwa kommunalen Entscheidungsträgern und Betrieben mit ein.
Kernpunkt ist dabei die Stärkung und Rückbindung der lokalen Initiativarbeit.
Nach und nach sollen die Akteure als lokale zivilgesellschaftliche Initiativen
über den Austausch untereinander zu einem regionalen Netzwerk entwickelt
werden.
Die
Jugendprojektwerkstätten arbeiten u.a. mit Aktion Courage (Erfurt/Gera) der
Landeszentrale für politische Bildung, der Bildungsstättte Hütten des Blitz
e.V. und der EJBW Weimar sowei der Amadeu-Antonio-Stiftung zusammen.
Organisation:
2 Projektbüros (in Neustadt/O. und Triptis) und 2 ProjektbetreuerInnen
Die
personelle Basis für den Aufbau, die Begleitung und Koordination der
Projektwerkstätten wird durch zwei Mitarbeiter/innen gewährleistet, die in
einer SAM beschäftigt sind, welche von der Neuen Arbeit Neustadt (Orla) e.V.
getragen wird.
Mit
der Projektwerkstättenarbeit wurde am 01.07.2001 begonnen.
Ohne
die Förderung durch CIVITAS wäre die Jugendprojektwerkstättenarbeit nicht möglich
geworden. Diese Förderung läuft bis Mitte 2004.
|